Donnerstag, 4. April 2013

Ehegleichheit oder Eheabschaffung?


Mir wurde es ganz flau im Magen, als ich einen Aufsatz von Daniel bei kleinerdrei las:
"Der Kampf für die Öffnung der Ehe für Homosexuelle, die so genannte „Homo-Ehe“, ist augenblicklich so präsent wie selten zuvor [...] Ich hingegen habe bei diesem Thema immer ein mulmiges Gefühl im Bauch. [...] Ich finde die Ehe an sich nämlich ganz und gar nicht unterstützenswert, denn sie schließt Menschen, die nicht der Norm entsprechen bzw. nicht entsprechen wollen, auf gesetzlich legitimierter Basis aus. [...] Das ist nur ein kleiner, unvollständiger Anteil des diskriminierenden Potentials der Institution Ehe. Den nehmen wir anscheinend bereitwillig in Kauf, wenn wir für die Öffnung und damit die Stärkung der Ehe eintreten, obwohl er bereits ausreicht, um für eine Schließung der Ehe zu plädieren."

Und er übersetzt ein Zitat von Ryan Conrad von Against Equality, welches sich gegen die Ehe für Homosexuelle, stattdessen für eine Abschaffung der Ehe plädiert:
"Die Leute nennen Against Equality utopisch. Aber warum weniger als das sein? [...] Utopia ist kein Ort, an den wir irgendwann kommen werden; es ist ein Prozess, eine Art, sich eine Zukunft vorzustellen. [...] Die Leute wollen pragmatisch sein und die Ehe als die gewinnenswerte Sache begreifen, aber das scheint mir ideologisch lächerlich zu sein." 
Darauf möchte ich mit einigen Gedanken antworten:

Es ist diktatorisch und unfrei, wenn wir Menschen vorschreiben wie sie zu leben haben, ob sie heiraten, Kinder bekommen und wie wir sie aufziehen,.... Ich denke, dass jeder Mensch frei entscheiden können sollte, welchen Lebensweg er geht, welche Werte er verfolgt usw. Totalklar_nicht?! Ein unantastbares Menschenrecht.

Doch gilt das nicht auch für die Menschen, welche eine Ehe eingehen wollen. So wie Menschen in "Romantischer Zweierbeziehung" (RZB) nicht das Recht haben anderen Lebensentwürfe zu bewerten, haben auch die nicht-in-RZBs nicht das Recht dazu. (Das ist jetzt nicht als in-RZB gegen den Rest gemeint, ich könnte auch mit bilateral und polyamorph oder homosexuell ... usw. usf. anbringen.)

Diese WAHRE Toleranz zu erreichen ist jedoch eine Entwicklung, ein Prozess in den Köpfen der Menschen. Und wir alle werden nicht zum Nachdenken und Reflektieren motiviert, wenn wir uns ständig gegenseitig unsere aktuellen Bedürfnisse (wohlgemerkt für unsere eigenen Lebensentwürfe) absprechen.

Denn es scheint ja ein nicht allzu kleines Bedürfnis nach der Ehe zu geben, bei Anhängern aller Lebensentwürfe. Die Ehe hat für viele neben praktischen Aspekten (die für manche leider zu Privilegien werden) eine wichtige emotionale Ebene. Es bringt doch nichts, zu sagen, die Ehe sei sinnlos, wenn die Menschen ein Bedürfnis danach haben. Das ist doch am Ende so, wie den Menschen nach dem #aufschrei zu sagen, es gibt kein Sexismusproblem. Damit ignoriert mensch reale Bedürfnisse und Wahrnehmungen.

Wer die Abschaffung der Ehe nun als positive Utopie bezeichnet, dem möchte ich entgegnen, dass meiner Meinung nach, das streben nach Utopien eine Ideologie wie jede andere ist. (*) Ich erkläre weiter unten warum das so ist. Und Ideologien stehen entgegen den Bedürfnissen der Menschen, entgegen deren Gefühlen. Wir brauchen keine Ideologien, wir brauchen Menschlichkeit, Solidarität, Mitgefühl und Respekt füreinander. Diese lassen sich nicht als Utopie formulieren.

Es geht also um das Vertrauen in und die Akzeptanz von unseren eigenen Bedürfnisse und die der Mitmenschen. Es geht darum die Mechanismen von Deutungshoheit, Macht und Hierarchien aufzulösen. Es geht darum Fragen zu stellen, und offen zu sein für den Anderen. Dies schaffen wir nicht, wenn wir wiederum Deutungshoheit etc. einsetzen.

Ich würde auf jeden Fall die Heiligkeit der Ehe in Frage stellen (Nachtrag: gemeint ist hier "Heiligkeit" im staatlichen Sinne; im Gesetz oder Sprachgebrauch auch bezeichnet als 'Unantastbarkeit der Ehe' oder 'Ehe als natürliche Grundeinheit'. Ich möchte hier nicht auf die Kirche eingehen.) und ob nicht eine reine Partnerschaftliche Eintragung (ob nun zwischen Mann, Frau, Frau, Mann, zu zweit, zu dritte oder zu ixt...) reichen würde, die dann Ehe genannt wird oder auch anders. Ich denke, wir können uns nicht dem Dilemma entziehen, das durch Interessenkonflikten in Partnerschaften entsteht: die Gesellschaft hat ja auch eine Verantwortung gegenüber Kindern und (z.b. nichtgenetischen) Eltern in diesen Partnerschaften. D.h. wir können z.B. über den Sinn und Nutzen von Gesetzen zu Ehegattensplitting, Finanzielle Bevorteilung von Ehepaaren, Familienförderung, Herdprämie, Adoptionsrecht reden. Oder wie wäre es mit Ehe auf Zeit, Poly-Elternschaft, ...

Diese Diskussion ist aber was ganz anderes. Es ist tatsächlich "nur" eine praktische Herangehensweise. Aber es ist kein Dogma "die Ehe ist schlecht", das nur das Gegenteil von "die Ehe ist heilig" wäre. Es sind ganz relevante Fragen für jeden einzelnen. Und selbst wer ersterer Aussage zustimmt, der hat noch keine Antwort auf diese einzelnen praktischen Fragen. Wer soll diese Antworten dann geben? Doch eine  Öffnung der Ehe ist ein Prozess der VON den Menschen für ihre eigenen Lebensentwürfe (nicht für die der anderen) nachvollziehbar und GEWOLLT ist.

Letztlich stellt diese Öffnung das Bedürfnis nach Ehe auf die Probe und dies wird sicher von den manchen positiv und von anderen negativ beantwortet werden. Vielleicht wird sich das Bedürfnis auch ändern und irgendwann die Ehe obsolet machen. Vielleicht passiert aber auch was ganz anderes!

Lasst uns doch herausfinden, was es ist, das die Menschen so nach der Ehe streben lässt, was nach Abschaffen der Privilegien noch übrig bleibt! Ob der romantische Teil real bleibt, oder ob er sich nur als Fata Morgana der Privilegien heraus stellt.

(*) Doch wir können das Ergebnis dieser Entwicklung nicht vorschreiben, da wir gar nicht wissen, wohin sie geht. Ich finde es anmassend und unmenschlich, dies vorzugaukeln.


Ich persönlich war immer hin und her gerissen zwischen "Was soll das mit der Ehe eigentlich" und "I like this sign of comitment and trust". Letztlich habe ich aber eher aus praktischen Gründen geheiratet: mein Partner ist nicht deutsch, wie ich, und wir leben in einem dritten Land. Da geht es einfach um die Option auf längere Zeit verlässlich zusammenleben zu können oder nicht. (Was ja an sich mit noch ganz anderen Ungerechtigkeiten zu tun hat.) Mir wird es noch flauer im Magen, wenn ich daran denke, dass Menschen mit anderen Lebensentwürfen diese Möglichkeit erschwert wird.

Kommentare:

  1. Warum der Ehe das Heilige absprechen? Sollen doch alle Menschen, die religiös sind und an das heilige und die Liebe bis zum Tod glauben, heiraten! Aber dies ist ein kirchlich religiöses Symbol - kein staatliches.
    Und so sollte es auch sein, der Staat ist verpflichtet, allen Menschen die gleichen Rechte zu geben und nicht nur einigen, die in die gewünschte Schablone passen.

    Mein Statement zur Erweiterung der staatlichen Zweierehe: http://nur-miria.blogspot.de/2013/04/statement-gegen-die-homo-ehe.html

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  2. Vielen Dank für Deinen Kommentar, Miria. Um ihn genauer zu verstehen, habe ich auch Deinen Blog gelesen. Ich finde die Gelegenheit zum Diskutieren echt toll!
    Mit Heiligkeit meinte ich nicht die Kirchliche Fassung der Ehe. Da habe ich mich oben tatsächlich unglücklich ausgedrückt. Ich denke, wir sind uns in dem Punkt einig: Kirche und Staat sollten auch in der Ehe getrennt bleiben und das sind sie im Moment nicht wirklich. Deswegen bin ich zu dieser Aussage gekommen, da ich "Heiligkeit" im staatlichen Sinne meinte, was im Gesetz oder Sprachgebrauch eher als 'Unantastbarkeit der Ehe' oder der 'Ehe als natürliche Grundeinheit' bezeichnet wird. Ich wollte hier nicht auf die Kirche eingehen. (Was die mit sich selbst machen, ist mir eigentlich egal.)

    Der zweite Punkt, den Du ansprichst, hat mich jedoch gerade zu meinem Blog motiviert. Ich merke jetzt beim Antworten, dass es echt komplizierter ist als ich dachte, es so viele Herangehensweisen und so viel Balast da mit schwebt. Also versuche ich es mal so:
    Zum Einen denke ich, jetzt die Homo-Ehe zuzulassen, ist ein guter Schritt um im nächsten die Ehe auf weiter ausgeschlossene zu erweitern und dann zu einer gleichberechtigenden Versorgungsgemeinschaft werden zu lassen.
    Zum Anderen gibt es für viele Menschen, auch für viele Atheisten, Agnostiker etc., zwei Aspekte der Ehe: ein praktischer und ein emotionaler. Der praktische ist zu diskutieren und per Gesetz zu Regeln. Der emotionale ist ein Bedürfnis im Geiste des Menschen. Dies Bedürfnis ist nach meiner Wahrnehmung bei vielen sehr stark. Wenn ich beobachte, mit welchen Argumenten viele junge säkuläre Paare nach der Ehe streben. (und ich fände es nicht sehr humanistisch allen einfach zu unterstellen, dass sie ausschließlich nach Privilegien streben, oder dieses Bedürfnis einfach negativ zu bewerten).

    Letztlich würden wir allen nicht-heterosexuell-monogamen Menschen, welche einen Bedarf an der emotionalen Seite der Ehe haben, diesen Verwehren, wenn er nur noch von der Kirche lieferbar ist. Dies wäre ebenso eine Diskriminierung.

    Für eine umfassende Regelung brauchen wir sehr viel Diskussion. Und wir brauchen Zeit zum nachdenken. Ich denke die Öffnung zu einer Versorgungsgemeinschaft, wie du sie beschreibst, ist ein Schrittweiser Prozess, auch in den Köpfen der Menschen. Und sein Ausgang ist offen.

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    1. Für interessierte: Die Diskussion führen Miria und ich unter ihrem Blog fort: http://nur-miria.blogspot.de/2013/04/statement-gegen-die-homo-ehe.html

      Hier eine Kopie der weiteren Diskussion:

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      Kommentar-Antwort Mira:

      "Deswegen bin ich zu dieser Aussage gekommen, da ich "Heiligkeit" im staatlichen Sinne meinte, was im Gesetz oder Sprachgebrauch eher als 'Unantastbarkeit der Ehe' oder der 'Ehe als natürliche Grundeinheit' bezeichnet wird. Ich wollte hier nicht auf die Kirche eingehen. (Was die mit sich selbst machen, ist mir eigentlich egal.)"

Ich glaube nicht, dass man auf die Ehe eingehen kann ohne zumindest auch eine kirchliche Ehe im Blick zu haben, da dieses Bild der Unantastbarkeit (egal, ob das jetzt von Atheisten anders gedeutet wird als von Gläubigen) aus den Kirchen kommt. 

"Zum Einen denke ich, jetzt die Homo-Ehe zuzulassen, ist ein guter Schritt um im nächsten die Ehe auf weiter ausgeschlossene zu erweitern und dann zu einer gleichberechtigenden Versorgungsgemeinschaft werden zu lassen."

Ich glaube, dass mit diesem Schritt zu viele Menschen aufhören würden, sich gegen die staatlich Zweierehe zu stellen. Denn sie ist ja nun "allen Menschen" erlaubt. Dass es Menschen gibt, die weder homo- noch hetero- oder polyamor leben, wird von den meisten Menschen nicht wahrgenommen.

"Letztlich würden wir allen nicht-heterosexuell-monogamen Menschen, welche einen Bedarf an der emotionalen Seite der Ehe haben, diesen Verwehren, wenn er nur noch von der Kirche lieferbar ist. Dies wäre ebenso eine Diskriminierung."

Meinst du nicht, dass man diesen emotionalen Aspekt auch an eine staatliche Versorgungsgemeinschaft knüpfen könnte? Das müsste man ja nicht unbedingt so bezeichnen, vielleicht würde da ein interessanterer Name passen, so dass es sich nicht so pragmatisch anhört :)
Warum muss das Ding denn genauso heißen wie das getero-monogame Ideal der Kirchen, damit Leute sich daran emotional gebunden fühlen?

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      Kommentar-Antwort sannaweh:

      Dein ersten Punkt finde ich sehr interessant (Verknüpfung v. kirchlicher und staatlicher Ehe), so habe ich das noch nicht bedacht. Meinst Du damit, dass es einfach zu schwierig ist kirchliche & staatl. Ehe voneinander zu lösen und das zu offensiv für religiöse Menschen?

      Deinem zweiten Punkt würde ich nicht zustimmen. Denn mit der Öffnung der Ehe für Homosexuelle wäre ja erster Punkt schon gelöst. Denn die wäre ein großer Affront gegen die Kirche und eine Abwendung von der kirchlichen Heiligkeit. (Wobei ich persönlich glaube, dass sich die Kirche auch in vielen Punkten öffnen sollte, denn sie diskriminiert extrem viele Menschen).

      Und ist das wirklich so, dass von den meisten Menschen nicht wahrgenommen wird, dass es homo-, hetero oder polys gibt? So verschiedene Umfragen sagen doch, dass es in Ehen recht häufig Affären gibt. Was ist das den anderes als Polymorphie, die jedoch heimlich ausgelebt wird (und entgegen einer Vereinbarung). Vielleicht sollten wir lieber sagen, dass es bewusst gemacht werden muss, was da eigentlich passiert und dann auch in den Gesetzen gespiegelt werden sollte.

      Und zu Deinem dritten Punkt: Ich hatte in meiner Antwort einen Absatz über Begriffe zur - ich sage jetzt - Partnerschaft wieder gelöscht. Mir persönlich ist es total egal wie das heisst und blieb nur bei Ehe, denn damit weiss jeder was gemeint ist. Aber Worte sind wohl sehr wichtig.

      Nichtsdestotrotz entscheiden die Menschen in der Masse, ob sie ein alternatives Angebot auch emotional annehmen würden.

      Wenn ich das so sehe, müssten wir eigentlich für beides plädieren: die Öffnung der Ehe UND die Stärkung der Partnerschaftlichen Eintragung zu einer Versorgungsgemeinschaft. Vielleicht Verso & ich ich bin versorgt :-) (ok, das hat jetzt wieder einen ganz anderen Geschmack, wenn mensch an die traditionelle Versorgerrolle in der Ehe denkt).

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    2. Fortsetzung II

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      Kommentar-Antwort Mira:

      "Dein ersten Punkt finde ich sehr interessant (Verknüpfung v. kirchlicher und staatlicher Ehe), so habe ich das noch nicht bedacht. Meinst Du damit, dass es einfach zu schwierig ist kirchliche & staatl. Ehe voneinander zu lösen und das zu offensiv für religiöse Menschen?"

Ich glaube, dass es im Moment sehr schwierig ist, weil es in Deutschland einfach eine Art "Staatsreligion" gibt, obwohl das offiziell niemand zugibt. 
Ich glaube allerdings nicht, dass das Problem bei den religiösen Mesnchen liegt, sondern vielmehr bei denen, die nicht religiös sind, aber dann "im Sinne" der anderen handeln wollen. 
Ich selbst bin katholisch und auch religiös, finds scheiße, wenn Leute von außen (Atheisten oder Andersgläubige) meinen, unsere Kirche reformieren zu müssen, dass sollte von Innen kommen. Also nur, dass du mich nicht falsch verstehst, ich glaube schon, dass auch die Kirche sich verändern sollte aber nicht durch Menschen, die damit eigentlich nichts zu tun haben. Ich gehe ja auch nicht zu einem Schwimmverein und sage dann: Eigentlich wollte ich Wasserball spielen, also lasst uns den Verein mal reformieren. 
Und durch diese eindeutige Verknüpfung von Staat und Kirche ist es momentan so, dass das alle etwas angeht, denn der Staat sollte eben für alle Menschen und nicht nur für Gläubige da sein. Und dann prallen Welten aufeinander, weil viele Gläubige bei der Homo-Ehe dann wieder das Problem sehen, dass ihre heilige Ehe zuerstört wird. Was eben nicht so wäre, wenn es nicht diese enge Verknüpfung gäbe. 

"Deinem zweiten Punkt würde ich nicht zustimmen. Denn mit der Öffnung der Ehe für Homosexuelle wäre ja erster Punkt schon gelöst. Denn die wäre ein großer Affront gegen die Kirche und eine Abwendung von der kirchlichen Heiligkeit. "

Ja und nein. Meiner Meinung nach wäre der Punkt nicht gelöst, da es wirklcih ein Affront und damit viel mehr ein Angriff auf ein krichliches Sakrament wäre und keine Abwendung. Man würde weiterhin das gleiche von der Kirche geprägte Ritual verwenden, aber eben auch für Menschen beiderlei Geschlechts. Das könnte viel mehr als ein Eingriff als eine Trennung verstanden werden. Ich glaube für eine Trennung müsste sich radikal etwas ändern. 

Was das mit dem Namen angeht, glaube ich, dass es für eine eindeutige Unterscheidung besser wäre es nicht Ehe zu nennen. Wobei die emotionale Verbindung, die heutzutage schon für einen Großteil bei dem Wort Ehe besteht natürlich ein Argument dafür wäre. 

"Wenn ich das so sehe, müssten wir eigentlich für beides plädieren: die Öffnung der Ehe UND die Stärkung der Partnerschaftlichen Eintragung zu einer Versorgungsgemeinschaft. Vielleicht Verso & ich ich bin versorgt :-)"

Für beides plädieren, um eins zu erreichen oder beides zeitgleich erreichen wollen? Dann würde mich nämlich interessieren, wie du die unterschiedlichen Modelle ausstatten möchtest (also rechtlich gesehen, welchen Wert hätte eine Ehe neben einer Versorgungsgemeinschaft)?

Ps. Ich habe teilweise bei meinem Text den Eindruck, dass es so rüberkommt, als wäre ich gegen eine Änderung in der Kirche, was nicht so ist. Organisationen wie huk (www.huk.org) oder die Aktion von Priestern gegen das Zölibat (in einer der letzten Ausgaben des Stern) finde ich z.B. gut, weil es eben von Innen kommt.

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    3. Fortsetzung III

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      Kommentar-Antwort sannaweh:

      Du sagst auf der einen Seite, dass die Kirche nur von innen geändert werden kann. Dagegen habe ich nichts. Ich sagte ja schon, mir ist das egal, was die Kirche innerhalb ihrer eigenen Sphäre macht. Ich ordne mich selbst im Glauben ungern irgendeiner Gruppe zu, interessant finde ich am ehesten noch die Agnostiker.

      Auf der anderen Seite schreibst Du, dass die staatliche Ehe nicht geändert werden kann, da sie von der Kirchlichen abstammt bzw. mit ihr verknüpft ist, und da dies eine Einmischung in die Kirchen wäre.

      Das finde ich nun einen Wiederspruch vom nicht-kirchlichen Standpunkt aus, da dies die Säkularisierung der staatlichen Ehe und damit des Staates in Frage stellt. Und das gefällt mir nicht.

      Es ist ja nun auch nicht so, dass die Ehe eine Erfindung der Kirche ist. (Die Kirche ist eine NeuTestamentliche-entwicklung, sie selbst gibt es erst seit irgend wann nach Jesus Geburt. Und Joseph und Maria waren ja auch schon ein Ehepaar.) Und es gibt die Ehe in anderen neuzeitlichen Kulturen, Religionen oder bei Urvölkern überall auf der Welt. Die Kirche mag die Ehe in der westlichen Welt stark geprägt haben. Aber sie hat keinen Alleinanspruch darauf, nur weil sie die Ehe heilig spricht. Und das gilt eigentlich auch nicht auf das Wort Ehe, denn Sprache benutzen alle.

      Das wäre jetzt so, wie wenn der Schwimmverein auch allen Nicht-eingetretenen vorschreiben will, wie sie Wasserball zu spielen haben.

      Ich stimme zu, die Kirche muss von innen geändert werden. Doch wenn nun die Kirche in die Rechte von ausser-kirchlichen Eingreift, sollten und können sich diese dann nicht dagegen wehren? Zudem darf ein ausser-kirchlicher sehr wohl seine Meinung sagen, warum er nicht in der Kirche sein möchte?!

      Die doppelte-Lösung am Ende meines letzten Kommentars war eigentlich eher als Scherz gemeint. Von meinen Standpunkt aus enthält die staatliche Ehe keine kirchliche Heiligkeit und der Staat sollte sich nicht an der Kirche orientieren, wie er seine Gesetzt macht und benennt. Und ich denke wir brauchen auf jedenfalls etwas Ehe-ähnliches, um es so diplomatisch zu sagen. Ich stelle mir das so vor, das JEDEM Menschen die Lebensgemeinschaft ermöglicht wird, in der er leben möchte und für die er andere Menschen findet, welche diese Gemeinschaft freiwillig mit ihm eingehen. Rationell gesehen wäre vielleicht ein individuell erstellbares Bausatz-Vertragssystem mit wählbaren Standardblöcken zu Scheidung, Tod, Krankheit, Kindererziehung, Länge der Ehe etc. eine Lösung. Die Romantische Version wäre dann jene Partnerschaft auf Lebenszeit. Staatliche Unterstützung sollte es nicht für die Ehe an sich, sondern nur für Kinder geben, und diese entweder als Rentenbeitrag für die Erziehenden gelten aber sonst direkt an die Kinder gebunden sein. Familien sollte es aber ermöglicht werden, überall wo sie wollen, dauerhaft zusammen zu leben.

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    4. Fortsetzung IV

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      Kommentar-Antwort Mira:

      Ich glaube, du hast mich teilweise falsch verstanden. Ich bin natürlich dafür die staatliche Ehe zu ändern, wie ich auch schon in meinem Post gechrieben habe. Ich möchte sie ja sogar ziemlich radikal ändern.
Ich meine, dass es schwierig wird, gläubigen Menschen (und das sind immerhin nicht gerade wenig) klar zu machen, dass das eine jetzt nichts mehr mit dem anderen zu tun hat, wenn vieles dennoch genauso bleibt wie bisher. 
Ich bin für eine sehr starke Trennung von Kirche und Staat, die aber im Moment leider eindeutig nicht vorhanden ist (was ja auch noch andere Bereiche neben der Ehe betrifft). 
Und genau dieses Problem wollte ich damit ansprechen, als ich sagte, dass dies mehr als ein Angriff auf eine kirchliche Tradition verstanden werden könnte. Ich erlebe im Umfeld einige dieser Positionen, die sich gegen eine Öffnung der Ehe stellen, da es ein kirchliches Sakrament ist. Diese Trennung gibt es also in den Köpfen der Leute nicht und das ist ein Problem.

      

Zum Großteil ist die Ehe aber doch eine Erfindung der Religionen, welcher Art diese nun sein mögen. Aber ich glaube auch nicht, dass das für die heutige Betrachtung große Relevanz besitzt, da ich immer davon ausgehen muss, wie die Sicht in den Köpfen der Menschen jetzt ist und da ist die Ehe bei religiösen Menschen eindeutig religiös besetzt.



      "Ich stimme zu, die Kirche muss von innen geändert werden. Doch wenn nun die Kirche in die Rechte von ausser-kirchlichen Eingreift, sollten und können sich diese dann nicht dagegen wehren? Zudem darf ein ausser-kirchlicher sehr wohl seine Meinung sagen, warum er nicht in der Kirche sein möchte?!"



      Dem stimem ich zu, wobei ich mich frage, was du mit Meingung sagen meinst? Denn Aussagen wie "böser alter Mann, der nur Schaden anrichtet" (bereits gehört) über den Papst empfinde ich persönlich nicht mehr als einfache Meinungsäußerung, sondern verletztend. Bei einer Meinungsäußerung sollte man dennoch Rücksicht auf die Gefühle der religiösen Menschen nehmen. Sich kritisch über konkrete Postitionen zu äußern (beispielsweise Zölibat oder Umgang mit homosexuellen, Frauen) ist was ganz anderes.

      

Und ich finde auch, dass die Kirche eben nicht in die Rechte von außerkirchlichen Menschen eingreiffen sollte! Das ist richtig.

      

Deine Idee mit dem Bausatz-Vertragssystem finde ich auch ziemlich gut. Was genau meinst du mit staatlicher Unterstützung? Wenn du auf das Ehegattensplitting abzielst, sehe ich das anders. Ich finde es sogar enorm wichtig, dass Einkommen einer Versorgungsgemeinschaft auch auf Wunsch als gemeinsames Einkommen versteuert werden kann. (Egal wie viele Mitlgieder diese Gemeinschaft nun hat)

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    5. Fortsetzung V

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      Kommentar-Antwort sannaweh:

      Seine Meinung sagen heisst natürlich nicht jemanden beleidigen, das ist klar. Nur so viel dazu.

      Du fragst, wie genau ich staatliche Unterstützung meine: Ich meinte damit die gesellschaftliche Unterstützung für Kosten und Aufwand, die Erziehenden entstehen. Die Gesellschaft braucht Kinder (vielleicht nicht unbedingt immer mehr, aber doch ein paar) um stabil zu bleiben. Insbesondere Mütter (aber nicht nur) haben aber im Beruf immer noch starke Nachteile von der Schwangerschafts- und Erziehungszeit. Sicher ist es schön Kinder zu kriegen. Aber es sollte schon ein Ausgleich z.B. für die Rentenkasse geben, denn die Kinder von heute werden morgen für die Renten aufkommen. Und natürlich muss Ausbildung oder Gesundheitsversorgung für Kinder garantiert, oder gar frei sein. Meiner Meinung nach ist das ein sehr großer Pfeiler einer Gesellschaft, der allen zu gute kommt.
      Die Partnerschaft oder Versorgungsgemeinschaft an sich sollte meiner Meinung nach nicht vom Staat gefördert werden. Hat die Partnerschaft nicht schon allein daraus einen Vorteil, dass man sich zusammentut, Kosten teilt, füreinander sorgt. Warum muss der Staat dies noch mal extra fördern, solange es keine Kinder in der Partnerschaft gibt? Das Ehegattensplitting schiebt einem Ehepaar im Moment bis zu 8000 Euro/Jahr extra zu, und das, obwohl die Gesellschaft und damit der Staat von der Ehe an sich nichts hat. Zudem wird dadurch nur eine ganz bestimmte Rollenverteilung (einer zu Haus, einer auf Arbeit) gefördert, welche eigentlich gleichberechtigt gegenüber anderen Rollenverteilungen stehen sollte.

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    6. Fortsetzung VI

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      Kommentar-Antwort Mira:

      Was die Unterstützung mit den Kindern angeht, da stimme ich dir zu. Besonders die Zeit, die Frauen beruflich aussetzen aufgrund von Schwangerschaft oder Kleinkindern sollte für die Rente angerechnet werden.

      Deine Meinung zum Splitting teile ich nicht, da es sich eben nicht um die Förderung eines bestimten Modells handelt.

      Da ich dazu aber so viel zu sagen hätte, habe ich gleich mal einen ganz Post verfasst: http://nur-miria.blogspot.de/2013/04/warum-ehegattensplitting-vernunftig-ist.html

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    7. Anmerkung: Unter Miras Ehegattensplitting-Beitrag wird dann noch heftig weiter diskutiert...

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